Künstliche Intelligenz und Verantwortung des Individuums

5. September 2017

Der Vorsitzende des FDP Ortsverbandes Rodenbach, Daniel Bernhardt, begrüßte die Gäste der FDP Veranstaltung „Künstliche Intelligenz – Entmündigung des Individuums?“ mit den Worten “Brauchen wir noch Menschen, wenn Alexa und Co. uns immer den Weg weisen”. Über diese Fragen diskutierten Dr. Ralf-Rainer Piesold, Bundestagskandidat der FDP, Fellow an der Frankfurt University of Applied Science und ehemaliger Wirtschafts- und Umweltdezernent der Stadt Hanau, und Prof. Dr. Joachim Fetzer, Vorstand im Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik, unter Moderation von Dr. Oliver Everling, Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH und Gastprofessor an der Capital University of Economics and Business in Peking. Kolja Saß, Kreisvorsitzender der FDP des Main-Kinzig-Kreises begrüßte die Initiative, das Zukunftsthemen, wie die der Digitalisierung, kontrovers diskutiert würden.

Freie Demokraten für Digitalisierung und gegen entmündigende Robotorisierung der Politik

„Statt über Science-Fiction sollten wir über die Veränderungen sprechen, die in schon jetzt absehbarer Weise mit Künstlicher Intelligenz auf uns zu kommen“, lenkte Prof. Dr. Fetzer die Diskussion gleich auf die Fragen, die heute schon jeden Bürger angehen. „Siri, Alexa und Co sind dafür erste Alltags-Beispiele.“ Mensch bleibe Mensch und Maschine bleibe Maschine, wendet sich Fetzer gegen manche esoterische Befürchtung, der Mensch könne schon bald von Maschinen regiert werden. „Die Maschine ähnelt eher einem Kollektiv als einem Individuum. Das Verstecken von Künstlicher Intelligenz und das Humanising nützt technisch nicht, schadet aber auf Dauer der Gesellschaft.“

Fetzer sagte wörtlich „Roboter streichelt man nicht. Auch in Zukunft werden nur Menschen entscheiden, nicht Maschinen. Aber oft ist der Mensch einfach zu faul zur Verantwortung – das ist aber nichts Neues.“ Heute wäre es nach Ansicht von Fetzer gut, die Veränderung zu gestalten statt auf Krisen zu warten und fragt: Spaltet sich die Debatte in „Technikfans hier“ und „Bedenkenträger dort“?

Fetzer geht es darum, wie man damit umgeht, dass Künstliche Intelligenz statistische Informationen massenhaft in unseren Alltag bringt. Nicht eine Programmiersprache ist das wichtigste Bildungsziel, sondern die Unterscheidung von Korrelation und Kausalität. Vielen sei der Unterschied nicht einmal klar. Insbesondere auch nicht in der Politik. Wenn die Politik schon heute nur so intelligent ist, wie es der  Algorithmus bald sein wird, wäre das nach Ansicht von Fetzer zu wenig.

„Ein Computer besiegt nie einen Großmeister im Schach“, wirft Ralf-Rainer Piesold, Bundestagskandidat der FDP ironisch ein, „außer Deep Blue 1976  in der Partie gegen Kasparow“. Genauso, so Dr. Piesold, wurde immer behauptet, dass „Computer nicht denken könnten und nie den Turing Test bestehen könnten, bis das Programm Eugene Goostman eben diese Aufgabe meisterte“.

Bei einem Turing Test kann man nicht mehr unterscheiden, ob die Antworten von einem Mensch oder einer Maschine kommen. Piesold unterstreicht, dass man in Deutschland auch in die Forschung der Künstlichen Intelligenz verstärkt investieren müsse. Deutschland als High-Tech Land dürfe diesen Bereich der Informatik nicht anderen Staaten überlassen.

Insgesamt stimmten die Liberalen mit dem KI Pionier Joseph Weizenbaum überein, dass man nicht befürchte müsse, dass es irgendwann Computer oder Roboter geben werde, die ähnlich wie Menschen werden oder denken würden. Vielmehr müsse man mehr Angst davor haben, wie Menschen immer mehr den Robotern und Maschinen ähneln und dazu gemacht würden und auch so handeln würden.

„Wer der Entmündigung des Bürgers in allen Lebens- und Arbeitsbereichen das Wort redet, wie es derzeit im Bundestagswahlkampf zu hören ist“, zieht Everling ein Fazit, „schützt nicht Verbraucher und Arbeitnehmer, sondern bereitet der Roboterisierung den Weg. Wer nicht den freien Willen von Bürgern akzeptiert, überlässt die Entscheidungen den Robotern. Das ist für Liberale nicht akzeptabel.“